Referenzwerte für die Gesundheitsvorsorge

Eine kostenlose Übersicht zu 20 gängigen Untersuchungswerten aus der Gesundheitsvorsorge – Blutdruck, Blutzucker, LDL-/HDL-Cholesterin, Triglyceride, Leberfunktion (AST/ALT/Gamma-GT), Nierenfunktion (Kreatinin/eGFR), Harnsäure und mehr – mit Referenzbereichen und einer verständlichen Erklärung, was die einzelnen Werte bedeuten.

Übersichtstabelle der Untersuchungswerte
Kategorie Wert Referenzbereich Bedeutung
Körpermaße BMI (Body-Mass-Index) 18,5-24,9 Berechnet als Körpergewicht (kg) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (m). Ab 25 gilt der Wert als Adipositas, unter 18,5 als Untergewicht.
Körpermaße Taillenumfang Unter 85 cm (Männer) / unter 90 cm (Frauen) Gemessen auf Höhe des Nabels. Dient zur Abschätzung der viszeralen Fettansammlung und ist eines der Diagnosekriterien des metabolischen Syndroms.
Blutdruck Systolischer Blutdruck Unter 130 mmHg Der Druck in dem Moment, in dem sich das Herz zusammenzieht und Blut auswirft. Je höher der Wert, desto stärker die Belastung der Blutgefäße, was das Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall erhöht.
Blutdruck Diastolischer Blutdruck Unter 85 mmHg Der Druck, während sich das Herz entspannt und wieder mit Blut füllt. Steigt tendenziell an, wenn die Arteriosklerose fortschreitet.
Blutfette LDL-Cholesterin 60-119 mg/dl Häufig als „schlechtes Cholesterin' bezeichnet. Lagert sich in den Gefäßwänden ab und fördert die Arteriosklerose, weshalb dauerhaft erhöhte Werte das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigern.
Blutfette HDL-Cholesterin 40 mg/dl oder mehr Häufig als „gutes Cholesterin' bezeichnet. Hilft, überschüssiges Cholesterin aus den Blutgefäßen abzutransportieren; ein zu niedriger Wert erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
Blutfette Triglyceride (Neutralfette) 30-149 mg/dl Ein Blutfett, das im Körper als Energiequelle dient. Der Wert steigt nach dem Essen leicht an, weshalb bei den meisten Vorsorgeuntersuchungen nüchtern Blut abgenommen wird.
Blutzucker Nüchternblutzucker 70-109 mg/dl Die Konzentration von Glukose im Blut, gemessen im nüchternen Zustand. Ein grundlegender Indikator zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Diabetes.
Blutzucker HbA1c (NGSP-Wert) 4,6-6,2 % Spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten ein bis zwei Monate wider. Wird durch die Nahrungsaufnahme kurz vor der Untersuchung weniger beeinflusst und ist daher ein wichtiger ergänzender Indikator für die Diabetesdiagnose.
Leberfunktion AST (GOT) 30 U/l oder weniger Ein Enzym, das bei Schädigung von Leber- oder Herzmuskelzellen ins Blut freigesetzt wird. Steigt bei Hepatitis, Fettleber und ähnlichen Erkrankungen an.
Leberfunktion ALT (GPT) 30 U/l oder weniger Ein Enzym, das hauptsächlich in Leberzellen vorkommt und leberspezifischer ist als AST. Steigt tendenziell bei Fettleber und alkoholbedingten Leberschäden an.
Leberfunktion Gamma-GT (γ-GT) 50 U/l oder weniger Ein Enzym, das in Leber- und Gallengangzellen vorkommt. Reagiert empfindlich auf Alkoholkonsum und wird daher auch als Anhaltspunkt für Trinkgewohnheiten genutzt.
Nierenfunktion Kreatinin 1,00 oder weniger (Männer) / 0,70 oder weniger (Frauen) mg/dl Ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, das bei normaler Nierenfunktion über den Urin ausgeschieden wird. Der Blutwert steigt an, wenn die Nierenfunktion nachlässt.
Nierenfunktion eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) 60 oder mehr ml/min/1,73 m² Ein aus Kreatinin, Alter und Geschlecht berechneter Schätzwert für die Filterleistung der Nieren. Wird zur Einteilung des Schweregrads einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) verwendet.
Sonstiges Harnsäure 7,0 mg/dl oder weniger Ein Abbauprodukt des Purinstoffwechsels. Dauerhaft erhöhte Werte führen zur Ablagerung von Kristallen in den Gelenken und damit zu Gichtanfällen.
Blutbild Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen) 3.100-8.400 /μl Immunzellen, die in den Körper eingedrungene Bakterien und Viren bekämpfen. Der Wert steigt häufig bei Infektionen oder Entzündungen an.
Blutbild Hämoglobin (Hb) 13,1-16,6 (Männer) / 12,1-14,6 (Frauen) g/dl Ein Protein in den roten Blutkörperchen, das Sauerstoff im ganzen Körper transportiert. Niedrige Werte deuten auf eine Anämie hin, zu hohe Werte auf eine Polyzythämie.
Blutbild Thrombozytenzahl (Blutplättchen) 145.000-329.000 /μl Ein Blutbestandteil, der die Blutgerinnung ermöglicht und Blutungen stoppt. Sind zu wenige Thrombozyten vorhanden, lassen sich Blutungen schwerer stillen.
Urinuntersuchung Protein im Urin Negativ (-) Ist die Filterfunktion der Nieren gestört, gelangt Eiweiß in den Urin. Ein dauerhaft positives Ergebnis kann eine weitergehende Nierenuntersuchung erforderlich machen.
Urinuntersuchung Glukose im Urin Negativ (-) Überschreitet der Blutzucker die Ausscheidungsschwelle der Niere, gelangt Glukose in den Urin. Wird als Screening-Indikator für Diabetes genutzt.

Tipps

  • Referenzbereiche können je nach Labor und Messmethode leicht abweichen. Wer die Werte über die Zeit im selben Labor verfolgt, kann Veränderungen des Gesundheitszustands leichter erkennen.
  • Gamma-GT reagiert empfindlich auf Alkoholkonsum. Wer nur kurz vor der Vorsorgeuntersuchung auf Alkohol verzichtet, erhält daher einen Wert, der die üblichen Lebensgewohnheiten nicht widerspiegelt.
  • LDL-Cholesterin und Triglyceride werden stark von der Nahrungsaufnahme beeinflusst, weshalb bei den meisten Vorsorgeuntersuchungen nach mindestens 10 Stunden Nüchternheit Blut abgenommen wird.
  • Weichen mehrere Werte gleichzeitig vom Referenzbereich ab (Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Taillenumfang), sollte das erhöhte Risiko eines metabolischen Syndroms beachtet werden.
  • Auch Werte innerhalb des Referenzbereichs sollten mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden, wenn sie sich im Vergleich zum letzten Ergebnis stark verändert haben, selbst ohne spürbare Beschwerden.

Häufig gestellte Fragen

Referenzbereiche sind lediglich ein statistischer Bereich, in dem sich die meisten gesunden Menschen befinden. Eine leichte Abweichung bedeutet also nicht sofort die Diagnose einer Erkrankung. Wenn die Abweichung jedoch bei mehreren Untersuchungen oder mehreren Werten gleichzeitig anhält, wird eine genauere Untersuchung durch einen Arzt bzw. eine Ärztin empfohlen.

Beide sind wichtig, spielen aber gegensätzliche Rollen: LDL transportiert Fette in die Gefäßwände und lagert sie dort ab („schlecht'), während HDL überschüssige Fette wieder abtransportiert („gut'). Ein niedrigerer LDL-Wert und ein höherer HDL-Wert gelten beide als förderlich für ein geringeres Arteriosklerose-Risiko.

Die Referenzwerte auf dieser Seite orientieren sich an allgemeinen Bereichen, die unter anderem von der Japanischen Gesellschaft für Ningen Dock und der Japanischen Gesellschaft für Labormedizin veröffentlicht wurden. Einzelne Labore und Geräte können jedoch leicht abweichende Werte verwenden. Für eine verbindliche Beurteilung sollten stets die auf dem eigenen Untersuchungsergebnis angegebenen Referenzwerte herangezogen werden.

Blutzucker und Triglyceride steigen nach dem Essen deutlich an, weshalb eine Messung im nüchternen Zustand (mindestens 10 Stunden nach der letzten Mahlzeit) üblich ist. Auch für LDL-Cholesterin wird zur Genauigkeit eine Nüchternmessung empfohlen.

Werte wie Taillenumfang, Hämoglobin und Kreatinin werden durch Muskelmasse, Verteilung des Körperfetts und Hormone beeinflusst, die sich zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Deshalb werden für Männer und Frauen jeweils eigene Referenzwerte festgelegt.
ツールくん

Übrigens – Referenzwerte sind keine Grenze zwischen „krank' und „gesund'

Die Referenzbereiche der Gesundheitsvorsorge werden statistisch aus der Verteilung von Messwerten festgelegt, die bei zahlreichen gesunden Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter erhoben wurden – als der Bereich, in dem die große Mehrheit (im Allgemeinen etwa 95 %) dieser Werte liegt. Ein Wert außerhalb des Bereichs bedeutet daher nicht automatisch eine Erkrankung, und ein Wert innerhalb des Bereichs bedeutet je nach Veranlagung und Lebensstil nicht automatisch, dass kein Anlass zur Sorge besteht. Wer sich bewusst macht, dass es sich lediglich um einen Anhaltspunkt dafür handelt, „wo die meisten gesunden Menschen liegen', liest die eigenen Ergebnisse mit anderen Augen.

In Japan wurden Arbeitgeber 1972 durch das Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzgesetz erstmals verpflichtet, Gesundheitsuntersuchungen durchzuführen. Seitdem wurden die Untersuchungsinhalte durch betriebliche Vorsorgeuntersuchungen, die spezifischen Gesundheitschecks (den sogenannten „Metabo-Check') und umfassende medizinische Vorsorgeuntersuchungen (Ningen Dock) immer weiter ausgebaut. Das 2008 eingeführte Programm für spezifische Gesundheitsuntersuchungen und -beratung bewertet das Risiko eines metabolischen Syndroms vor allem anhand von Taillenumfang und BMI, wodurch die Aufmerksamkeit für viszerale Fettleibigkeit deutlich zunahm.

Referenzwerte werden gelegentlich überarbeitet, wenn Messmethoden stärker standardisiert werden. So wurde beispielsweise die HbA1c-Angabe 2012 auf den international einheitlichen NGSP-Standard umgestellt und weicht um etwa 0,4 % vom früheren JDS-Wert ab. Ein einfacher Vergleich mit älteren Ergebnissen kann daher zu Fehlern führen. Beim Vergleich von Untersuchungsergebnissen über einen längeren Zeitraum lohnt es sich, zu prüfen, ob sich Messmethode oder Einheit geändert haben.